|
Geschichte der Traditionellen Chinesischen MedizinABSTRACTIn der Antike herrschten in China Götter, Dämonen und Ahnengeister. Durch die Entwicklung der chinesischen Philosophie in der Han-Zeit entstand eine Naturkunde, die sich nach Gesetzmäßigkeiten richtete. Heute wie damals ist die TCM ein heterogenes Konglomerat an Modellen und Methoden. Die TCM der Moderne hat ihre Wurzeln verloren, verzeichnet jedoch trotzdem durch die Behandlung chronischer Erkrankungen und durch die Akupunktur Erfolge. VOLLTEXTGötter, Dämonen und AhngeisterDas Weltbild des antiken China war geprägt von Göttern, Dämonen und Ahnengeistern. So war die gängige Vorstellung die, dass Ahnengeister und Dämonen Leben gefährden können. Während Ahnen durch einhalten von Sitten und Moral zu besänftigen waren, musste man Dämonen mit magischen Ritualen in Schach halten. Diese Vorstellung halten sich bis heute und beeinflussen die chinesische Gesellschaft immanent. DADAO – der Große Weg und die Gesetzmäßigkeiten in der NaturIm Dritten und Zweiten Jahrhundert v. Chr. wurde dieses archaische Weltbild durch die Entwicklung einer Naturkunde und im Zweiten und Ersten Jahrhundert v. Chr. durch die Entstehung einer rein naturkundlichen Medizin erweitert. Ausschlaggebend für diese Entwicklung war die Ansicht der chinesischen Philosophen der Han-Zeit eines so genannten Weges (chinesisch, Do), einem höheren Prinzip von Gesetzmäßigkeiten in der Natur. So sagt Huang Di Nei Jing im Leitfaden, erster Teil, des Gelben Ahnherrschers „Der Weg kennt weder Dämonen noch Geister, er kommt aus sich selbst, und er geht aus sich selbst“. In archäologischen Texten dieser Zeit finden sich dämonologische Themata neben Arzneimittelbeschreibungen mit beachtlichem pharmazeutischem Wissen. (Unschuld, 1997) East meets WestSchon seit Wilhelm von Rubruk („Reise ins Mongolenland, 1253 bis 1255) und Marco Polo (1254-1324) gelangten Nachrichten über die Heilkunde der chinesischen Ärzte nach Europa. In der Neuzeit (also ab 1500 n. Chr.) waren es vor allem portugiesische Missionare, welche die chinesische Gesellschaft mit der westlichen Medizin konfrontierten. Die Vorstellungen der westliche Medizin fand bei den meisten chinesischen Ärzten großen Anklang. TCM auf dem Weg in die ModerneIm städtischen Europa des 19. Jahrhunderts entwickelte sich ein industrielles Gesundheitssystem, das durch die Entwicklung von Krankenkassen und durch zwei Weltkriege im 20. Jahrhundert forciert wurde. So war die Verwendung von Heilpflanzen als bloß empirische Praxis von der akademischen Welt der 40er Jahre verpönt und den Kräuterfrauen, Scharlatanen und Hebammen zugeordnet. Das pragmatische Modell der Chinesen, welche westliche und traditionelle Anwendungen verband, verzeichnete jedoch in der primären Gesundheitsversorgung beachtliche Erfolge. So befand sich die Sterblichkeitsrate 1949 noch bei 25 pro 1000 Einwohner und 1970 nur noch bei 6,2. Gleichzeitig sank die Säuglingssterblichkeit von 200 auf 12 pro 1000 Säuglingen. In den Siebziger Jahren erkannte die Weltgesundheitsorganisation WHO daher die traditionelle Medizin an. Diese Anerkennung war ein wichtiger Impuls für die Wissenschaft traditionelle Systeme zu untersuchen. Seit die WHO 1975 das Programm zur Förderung und Entwicklung traditioneller Heilmittel ins Leben rief, sich Biologen und Mediziner in aller Welt daran machten für die Rettung der eigenständigen System einzusetzen und sich Universitäten mit Ethnobotanik und Ethnomedizin beschäftigen, erfahren Heilpflanzen eine wahre Renaissance. (Lozoya, 1997) Nach Unschuld (1997) nimmt die Popularität der TCM in Asien und China selbst im gleichen Maße ab, wie sie in Europa und den USA an Bedeutung gewinnt. Auch ist die TCM der Moderne nicht mit der TCM der Antike zu vergleichen, ja selbst die TCM in westlichen Kliniken und Ärzten nicht mit der in China. So sollen die nachfolgenden zwei Beispiele verdeutlichen, wie die westliche Medizin die Konzepte der TCM beeinflusst hat: Schlaganfall heißt in der TCM seit der Antike zhongfeng, was als „Getroffen sein vom Wind“ gedeutet wird. Daher versuchten die chinesischen Ärzte der Song-Zeit den so genannte Inneren Wind wieder aus dem Körper zu entfernen. Durch die westliche Medizin beeinflusst griffen die Ärzte der Quing-Dynastie auf TCM-Konzepte des „Blutstaus“ zurück und verwendeten daher chinesische Arzneimittel, denen blutbelebende oder „Stau ausräumende“ Wirkungen zugeordnet wurde. Und viele westliche Vertreter der TCM weigern sich den chinesischen Begriff xue mit dem westlichen Begriff Blut gleichzusetzen, während ihre chinesischen Kollegen in vollem Wissen, dass die TCM der Antike mit dem Blut andere Eigenschaften und Charakteristika verband, dies ohne Probleme tun. Ausblick in die Zukunft der TCMNach Unschuld (1997) hat die TCM ihre Wurzeln verloren. Trotzdem scheint es so, dass gerade bei chronischen, nach westlicher Medizin schwer oder nicht therapierbaren Erkrankungen die TCM weiterhin gute Therapiemöglichkeiten bietet. Außerdem gibt es nach Schätzungen zwischen 13 000 bis 15 000 verfügbare Titel von chinesischen Medizinern aus der Zeit vor 1911. Es bleibt also zu hoffen, dass westliche und östliche Institutionen die TCM weiterhin nach modernen state-of-the-art Methoden evaluieren werden, damit auch in Zukunft die traditionelle Medizin dem Patienten zugänglich gemacht wird. ReferenzXavier Lozoya. Pflanzliche Arzneimittel gestern und heute. In: Spektrum der Wissenschaft, Spezial 6: Pharmaforschung. Spektrum der Wissenschaften Verlagsgesellschaft mbH 1997. Paul U. Unschuld. Chinesische Medizin. C.H. Beck´sche Verlagsbuchhandlung. München 1997. Zurück zu "China - TCM"
|
