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Grundlagen der TCMABSTRACTDie Wurzeln der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sind das Tao der daoistischen Naturphilosophen, die Yin-Yang-Doktrin, die „Lebensenergie“ Qi und das System der fünf Wandlungsphasen. Im klassischen Lehrbuch, dem Huang Di Nei Jing („Lehrbuch der physischen Medizin des gelben Kaisers“) ist die TCM zusammengefaßt. Das Tao, das oberste Naturprinzip, erschafft eine polarisierte Welt. Ihr komplementärer Charakter wird durch die Yin-Yang-Doktrin zum Ausdruck gebracht. Das sich die Welt ständig verändert wird durch das Prinzip der fünf Wandlungsphasen beschrieben. Die Lebenskraft Qi, die allem innewohnt und seine Yin-Yang-Balance ist für die physische und psychische Gesundheit verantwortlich. VOLLTEXTDas TaoDas Tao (wird Dao gelesen) ist das universelle Weltengesetz und oberstes Naturprinzip. Es wird von Lao-tzu, dem Meister Lao, im Tao-Te-King beschrieben und wird gerne als „Sinn“, „Weg“ oder „Das Eine“ übersetzt. Das schöpferische Urprinzip des Tao ist die Grundlage aller dynamischer Wandlung und aller Lebensvorgänge. Alle diese Dinge stehen im Spannungsfeld zwischen Yin (In gelesen) und Yang. (Stux, 1992) Yin-Yang-DoktrinNach Kaptchuck (1983) handelt es sich bei dieser Doktrin um zwei komplementäre Gegensäetze, die zusammen das Universum, welches aus den fünf Elementen zusammengesetzt ist, aufbauen und kontrollieren und nicht wie gerne angenommen, um irgendwelche mythischen Kräfte. So haben alle Dinge im Universum ein Yin- und einen Yang-Aspekt und jeder Aspekt kann seinerseits wieder in Yin und Yang unterteilt werden. So kann zum Beispiel Temperatur in heiß (Yang) und kalt (Yin) unterteilt werden, und kalt seinerseits in mäßig kalt (Yang) und eiskalt (Yin). Yin und Yang erschaffen sich gegenseitig, so wie es kein Hoch ohne ein Tief geben kann, sie kontrollieren sich gegenseitig und verwandeln sich ineinander. (Kaptchuck, 1983) Der komplementäre Charakter und ihre Unzertrennbarkeit kommen in der so genannten T´aiJi-Monade (Abb.1) und in den bildlichen Darstellungen vom Drachen (Yang) und dem Ganoderma-Pilz (Yin) zum Ausdruck. Die holistische Weltanschauung der Daoisten wird durch den Kreis, die dynamische Wechselwirkung der komplementären Gegensätze Yin und Yang durch die geschwungene Trennlinie symbolisiert und die kleinen Kreise in den andersfarbigen großen Hälften deuten ihre Umwandlung an. Das chinesische Piktogramm für Yin bedeutete urspränglich die schattige Seite des Hügels und die für Yang war die sonnige Seite des Hüegels. Daher steht Yin für Passivität, Ruhe, Negativität, Empfänglichkeit, Kälte, Hypofunktionen, Statik, Abnahme, regressive Kräfte, Dumpfheit, und als Richtung das nach unten und einwärts Gehende. Yang seinerseits steht für Aktivität, Positivität, Hitze, Anregung, Hyperfunktionen, Dynamik, progressive Kräfte, Zunahme, Erregung, Vitalität, und als Richtung das nach oben und auswärts Gehende. Im Physiologischen dominieren Yin und Yang bestimmte Abschnitte im menschlichen Körper. So kontrolliert Yin die inneren, unteren und ventralen Teile des Körpers, Yang die äußeren, oberen und dorsalen Bereiche. Weiters steht Yin für Yang hingegen repräsentiert Tabelle 1. Polares Yin-Yang-Entsprechungssystem
Nach: Stux, 1992 Das System der fünf WandlungsphasenDie Interaktionen der 5 Wandlungsphasen: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser und ihr Yin-Yang-Gleichgewicht erklären alle Veränderungen und Aktivitäten in der Natur, so auch die Homöostase des Körpers. Chan (1995) erklärt, dass es nach der Wu-Hsing-Theorie (Abb.3) zwei Zyklen gibt, einen Zyklus der Erschaffung (positive Einflüsse) und einen der Zerstörung (negative Einflüsse). Im positiven Sheng-Zyklus verbrennt Holz und erzeugt so Feuer. Daraus entsteht Asche, die zu Erde wird. Aus Erde entsteht Metall, das zur Produktion von Wasser führt (Kondensation an kalten Oberflächen). Durch Wasser können Pflanzen (Holz) wachsen, die, im negativen Ke-Zyklus, Erde aufarbeiten, um ihr die Nährstoffe zu entziehen. Erde bezwingt Wasser, indem es dieses aufsaugt und seine Klarheit verschmutzt, Wasser seinerseits bezwingt Feuer, Feuer Metall, und Metall Holz. Abb. 2. Sheng- und Ke-Zyklus der fünf Wandlungsphasen
Tabelle 2. Die Beziehungen der 5 Wandlungsphasen (Nach Stux, 1992)
Tabelle 3. Klassifizierung nach den 5 Wandlungsphasen (Nach Stux, 1992)
Äthiologie in der TCM – das QiEin chinesischer Arzt diagnostiziert eine Krankheit durch Überprüfung des Pulses und die Wahrnehmung eines Ungleichgewichtes im so genannten Qi. Dieses Qi wird gerne als Lebensenergie übersetzt. Dies ist aber nach Kaptchuck (1983) nicht zuläessig. Feststeht, dass es für diesen fundamentalen Begriff der TCM keine aequivalente &Umml;bersetzung gibt. Er schlägt daher vor, sich Qi als Materie an der Grenzlinie zur Energie oder als Energie am Punkt der Materialisierung vorzustellen. Das gesamte Qi des Körpers (Wahres Qi – zhen-qi) weißt drei Ursprünge auf: Das vorgeburtliche Ursprungs-Qi (chin. yuan-qi), das Nahrungs-Qi (chin. gu-qi) und das natürliche Luft-Qi (chin. kong-qi). Das anzestrale Ursprungs-Qi wird von den Eltern auf das Kind vererbt, ist für die generelle Konstitution des Körpers verantwortlich und wird im Nierensystem gespeichert. Nahrungs-Qi wird der verdauten Nahrung entzogen und Luft-Qi gewinnt der Körper über die eingeatmete Luft. Das Phänomen Qi hat eine Reihe von Eigenschaften und Funktionen. Das Qi bewegt sich auf bestimmten Leitbahnen, die auch unter dem Namen Meridiane bekannt sind, durch den menschlichen Körper. Diese unsichtbaren Leitbahnen bilden ein Netz von Kannälen, die auch die Grundlage der Akupunktur darstellen. Das Nei Jing sagt dazu: „Die Leitbahnen transportieren Blut und Qi, regulieren Yin und Yang, halten Sehnen und Knochen elastisch und fördern die Gelenke.“ (Kaptchuck, 1983) Dieses System besitzt zwölf Hauptleitbahnen der elf Organe, die so genannten Jing-Leitbahnen und acht Sonderleitbahnen, von denen besonders Ren Mai (ventrales Konzeptionsgefäß) und Du Mai (dorsales Lenkergefäß) als „kleiner Energiekreislauf eine besondere Stellung einnehmen. Die zwölf Haupt- und acht Sonderleitbahnen werden als Jing-Luo-System zusammengefaßt. (Stux, 1992) Nach traditioneller Vorstellung lassen sich die meisten Erkrankungen auf Störungen im Qi Haushalt zurürckführen. So kann eine Fülle oder eine Schwächung, bis zur Stagnation beziehungsweise Blockade im Qi vorliegen. Das betroffene Organ oder Organsystem ist dann geschwächt oder erkrankt. Eine Schwächung von Qi wird als Leerestörung, chinesisch Xu, bezeichnet und ist ein Yin-Zustand. Eine Fülle an Qi wird als chinesisch Shen bezeichnet und ist ein Yang-Zustand. Anschließend eine Tabelle mit charakteristischen Symptomen von Xu und Shen. Tabelle 4. Schwäche- und Füllestörungen (Nach Stux, 1992)
Der menschliche Körper in der TCMDie elf Organe beziehungsweise Organsysteme werden nach traditioneller Vorstellung in sechs Yang-Organe und fünf Yin-Organe unterteilt. Der anatomische Bau der Organe steht hierbei nicht im primären Blickpunkt der TCM. Vielmehr spricht man in der TCM von Funktionskreisen. So beinhaltet zum Beispiel der Funktionskreis des Yin-Organs Lunge die gesamte Atemfunktion inklusive Riechfunktion. Yang-Organe werden als „Hohlorgane“, chinesisch Fu, bezeichnet. Yin-Organe werden als im Deutschen als „Speicherorgane“ und werden im Chinesischen durch das Piktogramm Zang bezeichnet. Einem Fu-Organ ist immer ein Zang-Organ gegenübergestellt. Anschließend eine Auflistung der komplementären Organsysteme und ihrer wichtigsten Funktionen.
Zang-Fu. Lunge, Dickdarm. Milz-Pankreas, Magen
Milz-Pankreas-System, Pi Leber, Gallenblase
Lebersystem, Gan Niere, Blase
Nierensystem, Shen Herz, Dünndarm
Herzsystem, Xin Krankheitsursachen in der TCMDie TCM kennt eine große Anzahl von Krankheit verursachenden Faktoren. Dies scheint durchaus eine große Leistung der TCM zu sein, da diese Faktoren schon lange bekannt sind. Dazu zählen klimatische Faktoren, emotionale Faktoren, ansteckende Faktoren, falsche Ernährung, körperliche Erschöpfung, Ansammlung von Schleim, Traumen und Insektenbisse. Klimatische FaktorenKlimatische Faktoren werden nach dem System der 5 Wandlungsphasen eingeteilt (siehe Tabelle 3). Sie haben neben den krankmachenden Eigenschaften per se auch eine wichtige Bedeutung als medizinische Beschreibungshilfen. So ist Fieber ein Hitzesymptom, wandernde Schmerzen werden als „innerer Wind“ beschrieben und kalte Gliedmaßen sind Ausdruck der „inneren Kälte“. Wind, chinesisch Feng, ist ein aktiver Yang-Faktor und wird dem Frühling zugeordnet. Feng bringt Disharmonie im Körper und schädigt vor allem das Gesicht, den Nacken, die oberen Atemwege und die Haut. Wind kommt meist in Verbindung mit anderen klimatischen Faktoren wie Kälte oder Feuchtigkeit vor. Eine starke Exposition des geschwächten Körpers gegenüber Feng schädigt die Leber. Hitze, chinesisch Re, kommt als äußerer krankmachender Faktor in unterschiedlicher Intensität vor und kann zu einem Hitzschlag führen. Als medizinische Beschreibungshilfe dient Re körperlicher Beschwerden und Schmerzen. Re hat eine aufsteigende Tendenz im Körper und schädigt bei längerer Exposition das Herzen. Symptome sind Müdigkeit, Schwindel, körperliche Trägheit, schweres Atmen bis zur Bewußtlosigkeit (Hitzschlag), aber auch psychische Symptome werden in der TCM durch „Herz“ beschrieben. Feuchtigkeit, die durch das Piktogramm Shi beschrieben wird, repräsentiert einen passiven Yin-Zustand, wie Trägheit, Schwere, Starre, Stillstand und wird speziell dem Spätsommer zugeordnet. Shi als krankmachender Faktor kann jedoch in jeder Saison auftreten. Shi bewirkt ein Stagnation der Lebensenergie Qi und verursacht unter anderem Rheuma. Kälte, chinesisch Han, steht im Gegensatz zur Hitze und ist somit eine Yin-Polarität. Äußere Kälte kann vor allem in Kombination mit Wind einen geschwächten Körper schädigen, in dem es das Fließen von Qi unterbindet und zu Blockaden in den Leitbahnen führt. Eine akute Han-Erkrankung zeigt sich durch einen stechenden krampfartigen Schmerz, sowie als Verlangsamung der Bewegung. Chronische Han-Yin-Erkrankungen sind Degeneration beziehungsweise Erkrankungen aus dem arthrotischen Formenkreis. Kälte schädigt besonders die Nieren, als Quelle des aktiven Yang-Qi, die Knochen und Gelenke. Die typische Therapieform gegen Han-Erkrankungen ist die Moxibustion. Emotionale FaktorenPsychische Belastungen können physische Erkrankungen verursachen beziehungsweise begünstigen. Dies wird auch in der westlichen Medizin immer mehr erkannt. So versucht die so genannte Psychoneuroimmunoendokrinologie die verschiedenartigen Faktoren, die auf einen Körper wirken zu berücksichtigen und das komplexe Zusammenspiel von psycho-neurologischen, hormonellen und immunologischen Faktoren, welche bei Phänomenen wie Angst oder Stress auftreten zu analysieren. In der TCM ist seit langem bekannt, dass ein Übermaß an bestimmten emotionalen Zuständen wie Angst, Zorn, Traurigkeit et cetera Krankheiten können. Bestimmte Emotionen werden einer bestimmten Wandlungsphase und den entsprechenden Organen zugeordnet. Tabelle 5. Emotionen im System der 5 Wandlungsphasen (Nach Stux, 1992)
Ernährung und die TCMEin alter chinesischer Spruch, unbekannter Herkunft, lautet:
Die TCM ist eine Präventivmedizin und das wichtigste Werkzeug dazu ist die tägliche Ernährung. Über das Nahrung-Qi (gu-qi) nehmen wir Qi aus unserer Umwelt auf. Ein Zuviel oder Zuwenig ist schädlich. Aber auch die bewußte Auswahl der Lebensmittel ist für die Aufrechterhaltung der physischen Gesundheit von immanenter Wichtigkeit. Es gibt Yin- und Yang-, sowie den Wandlungsphasen zugeordnete Nahrungsmittel. Die Wandlungsphase eines Nahrungsmittels wird durch dessen Geschmacksrichtung determiniert und sein polarer Yin-Yang-Charakter durch dessen inneren Wärme. So gibt es in jeder Geschmacksrichtung heiße, warme, neutrale, kühle und kalte Nahrungsmittel. „Heiße“ Nahrungsmittel schützen vor einer Yang-Schwäche, „Neutrale“ spenden Qi und „kalte“ Nahrungsmittel werden bei einer Yin-Schwäche beziehungsweise einer Yang-Fülle eingesetzt. (Temelie, 1992) Diagnose in der TCMEs gibt acht diagnostische Kategorien, chinesisch Ba gang genannt, um eine Krankheit zu definieren. Diese acht Ba gang Kategorien bestehen aus vier polaren Gegensatzpaaren: Yin und Yang, Innen (Li) und Außen (Biao), Schwäche (Xu) und Fülle (Shi), Kälte (Han) und Hitze (Re). Durch Analyse des chinesischen Arztes wird die Erkrankung nach diesen acht diagnostischen Kategorien beschrieben. So kommt er zu einem Störungsmuster, Syndrome, die im chinesischen Sinne genannt werden. Das Syndrom in der TCM stellt nicht nur die Summe der Symptome dar, sondern auch seine Ursachen und Interpretationen im Sinne der TCM. Innere Störungen (Li) sind Disharmonien der fünf Zang- und der sechs Fu-Organe. Charakteristika für diese oft chronischen Erkrankungen sind Schmerzen im Bereich des Brustkorbs oder des Abdomens, Fieber, Störungen im gastrointestinalen Systems wie Durchfall, Brechreiz und Übelkeit. Innere Störungen werden vor allem durch Innere Faktoren, also ein Übermaß an bestimmten Emotionen wie Angst, Schrecken, Erregung oder durch unausgewogene oder kontaminierte Nahrung ausgelöst. Gleichzeitig können an den organspezifischen Meridianen auch Schmerzen ausstrahlen. Äußere Störungen, chinesisch Biao genannt, stellen nach Stux (1992) Störungen an den Meridianen und Kollateralen vor allem der Peripherie und der Oberfläche des Körpers dar. Die Bedeutung von Xu und Shi, also Schwäche- und Füllestörungen, für die Pathogensese wurden bereits erwähnt. Tabelle 6 faßt nochmals typische Symptome dieser Störungen zusammen. Tabelle 6. Typische Xu- und Shi-Störungen. (Nach Stux, 1992)
Han tritt auf, wenn äußere Kälte auf einen Körper trifft. Kältestörungen können auch in Re-Symptomen wie Fieber, durch die Yang-Aktivität des Körpers wechseln. Solch eine vermehrte Yang-Aktivität des Qi führt zu einer Re-Erkrankung. Durch längeres Bestehen einer solchen Aktivität kommt es zu einer Schwächung der Yin-Kräfte und –Flüssigkeiten. Anschließend noch eine Tabelle mit typischen Hitze- und Kältesymptome. Tabelle 7. Typische Re- und Han-Symptome. (Nach Stux, 1992)
Yin und Yang sind die allgemein gültigen Kategorien in der TCM und die bisher besprochenen Kategorien Li & Biao, Xu & Shi, Han & Re stellen nach Stux (1992) Differenzierungen der Yin-Yang-Doktrin dar. Behandlung in der TCM Der behandelnde Arzt der TCM wird versuchen das Ungleichgewicht im Energiehaushalt des Patienten durch äßerliche und innere Anwendungen wie zum Beispiel Moxibustion, Akupunktur, Kräuterdrogen, Ernährung, Qi Gong und T´ ai Ji Chuan auszugleichen. ReferenzChan, K. (1995): Progress in traditional Chinese medicine. Trends Pharmacol Sci. 16: 182-187. Kaptchuck, T.J. Das große Buch der chinesischen Medizin. Die Medizin von Yin und Yang in Theorie und Praxis. Otto Wilhelm Barth Verlag 1988. Stux, G. Grundlagen der Akupunktur. Dritte erweiterte Auflage. Springer Verlag 1992.
Temelie B. Ernährung nach den fünf Elementen. Joy Verlag GmbH. Sulzberg. 1992 Zurück zu "China - TCM"
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