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Fachstudien zur Traditionellen Tibetischen Medizin1. 'Rinchen ril-bu' - die Juwelpillen der Traditionellen Tibetischen Medizin 2. Padma 28 - Ein Tibetisches Vielstoffpräparat aus der Schweiz 3. Padma Lax - Ein pflanzliches Laxativum zur Behandlung des Reizdarmsyndroms 4. Artemisia vestita zur Behandlung einer Sepsis Die Juwelpillen - 'Rinchen ril-bu'Die Juwelpillen gelten als die potentesten Pharmazeutika in der Traditionellen Tibetischen Medizin. Sie stammen ursprünglich aus dem Indischen Aryurveda und werden in Tibet erstmals im Gyüshi erwähnt. In diesem Buch sind eine Reihe von Rezepten für Rinchen-Pillen enthalten. Diese Rezepte sind jedoch allgemein gehalten und wurden im Lauf der Zeit immer wieder modifiziert. Dabei geht der Tibetische Arzt scheinbar nach persönlicher Erfahrung und anderen Faktoren, wie Verfügbarkeit oder Kosten von Substanzen, vor. In der Literatur wird jedenfalls nicht kommentiert, warum eine Modifikation einer Rezeptur für eine Juwelpille vorgenommen wurde. In der jüngeren Zeit sind es auch Auflagen und Einschränkungen durch die westliche pharmazeutische Gesetzgebung, die eine Verwendung von manchen traditionellen Inhaltsstoffen wie Blei, Quecksilber unter anderem ausschließt. Geheimnisvolles TantraDie Juwelpillen sind Teil des tantrischen Systems und scheinen daher in ihrer Entstehung oft geheimnisvoll. So sagen Aschoff und Tashigang (2001), dass selbst wenn sie alle, oft mehr als 100 Inhaltsstoffe in Gramm pro Pille angeben würden, es trotzdem nicht möglich sei, eine aktive Juwelpille herzustellen. In der Praxis schaut das so aus, dass die Herstellung einer Juwelpille nur den erfahrensten Studenten unter der Leitung ihrer Lehrer überantwortet wird. Die Art der Herstellung und die Einhaltung der tantrischen Riten ist nach Auffassung der Tibetischen Medizin ebenso wichtig oder gar noch wichtiger als die Inhaltsstoffe selbst. So beinhaltet die zeitaufwendige Herstellung mitunter vollkommene Dunkelheit, bestimmte Jahres- oder Tageszeiten, Mondlicht, Kochen in Rinderurin und mehr. Viele Rezepte sind nicht in modernen Drucken verfügbar, mögliche Quellen bzw. Ansprechpartner finden sich jedoch in den Men-Tsee-Khang-Instituten in Lhasa und Dharamsala, der "Library of Tibetan Works and Archives" in Dharamsala oder im Tashigang Herbal Center in Delhi. Für die Entwicklung der Juwelpillen-Rezepturen waren eine Reihe von berühmten buddhistischen Mönchen verantwortlich, die, wie im Vajrayana üblich, streng einer Übertragungslinie folgend, das Wissen um die Herstellung von Meister auf Schüler vertraulich und vor allem mündlich weitergaben. Zu diesen zählen Nagarjuna, Vagbhata I und II, Padmasambhava, Yuthog Yontan Gonpo der Ältere und der Jüngere und einige andere. Fakten und Daten über JuwelpillenDie äußere Erscheinungsform der unterschiedlichen Juwelpillen-Typen ist nahezu einheitlich. Sie sind runde, braun bis braun-schwarze Kugeln mit einem Durchmesser von 13 bis 15 mm und einem Gewicht von circa 1 Gramm. Die Pillen weisen eine hohe Konsistenz auf und schmecken extrem bitter. Aufbewahrt werden sie in einem kleinen versiegelten Seidensäckchen, das mit einem Band verschlossen ist. Aufschluss über den jeweiligen Typ von Juwelpille gibt die verwendete Farbe des Seidenstoffes und des Bandes. Zusätzlich wird jede einzelne Pille in einer würfelförmigen Plastikbox verwahrt, die durch ein Papierband versiegelt wird. Schlussendlich wird auf diesem Band der entsprechende Name der Juwelpille in Englisch und der jeweiligen Landessprache geschrieben. Nach Aschoff & Tashigang (2001) belaufen sich die Kosten für eine einzelne Juwelpille je nach Typ zwischen US $0.20 und $3.00. Es gibt zur Zeit keine verlässlichen Daten, bei welchen Erkrankungen welche Juwelpille verwendet wird, wie lange die Behandlungszeit dauert und welche Dosen verabreicht werden. So sagen Aschoff & Tashigang, dass bei der "2000 International Academic Conference on Tibetan Medicine" in Lhasa, Tibet vom 15.-17. Juli 2000 nur wenige Arbeiten zum Thema Juwelpillen eingereicht wurden. Bei zwei Studien zur Behandlung von Bluthochdruck mittels der Juwelpille Ratna Samphel wurden Ratten und Hunde als Versuchsorganismen verwendet, Ergebnisse beim Menschen liegen nicht vor. Die Herstellung von Juwelpillen heuteEs gibt heute eine Handvoll Manufakturen, die Juwelpillen herstellen. Dazu zählen die Men-Tsee-Khang´s Pharmaceutical Factory in Lhasa und Dharamsala, rund 30 Manufakturen in Tibet, die Kunphan Company in Kathmandu und das Tashigang Herbal Center in Delhi. Andere Hersteller haben sich auf die Produktion von kleineren Mengen an weniger potenten oder auf einen Typ von Juwelpille spezialisiert. So zum Beispiel die Ladakhi Amchi Association auf die Rinchen Tsotru-Pille oder das Derge-Kloster in Nagchu auf die Herstellung von Byu-dmar 75. Es gibt keine sicheren Angaben über die Gesamtproduktion an Juwelpillen, jedoch beläuft sich alleine die Produktion in Lhasa auf 500 000 kg p.a. Die Bioanalytik der JuwelpillenDie Manufakturen, die Juwelpillen herstellen, behandeln die Rezepturen ihrer Präparate wie ein Staatsgeheimnis und weigern sich, diese auf Anfrage preiszugeben. Auf diese Weise ist eine Standardisierung der einzelnen Typen nicht vorstellbar. Daher sammelte Prof. Aschoff (2001) sechs Proben von der Juwelpille Ratna Samphel aus Indien, Nepal und Tibet und vertraute diese dem analytischen Labor der PADMA AG zur chemischen Untersuchung an. Zur Charakterisierung der undefinierten Proben nahm Dr. Alexandra Schwabl chromatographische "Fingerabdrücke". Jedes Präparat hinterlässt auf Grund seiner chemischen Zusammensetzung diskrete Banden, einen spezifisch Höchstwert (peak) oder Laufzeit bei einer chromatographischen Trennung. So kann man auch ohne die genauen Inhaltsstoffe zu kennen, einen charakteristischen "Fingerabdruck" eines Präparates erhalten. Zuerst wurden die Proben in einem organischen Lösungsmittel extrahiert, um die Wirkstoffe in Lösung zu bringen. Anschliessend wurden für Terpene und Flavinoide eine Dünnschichtchromatographie gefahren. Für die Terpene war die Laufzeit und die Farbe der Banden der Proben mehr oder weniger gleich, die Intensität jedoch unterschiedlich. Für die Flavinoide zeigte sich, dass die Banden einheitlich waren, bis auf mindestens eine pro Probe, die abwich. Die Daten für die Gaschromatographie und die Hochleistungschromatographie bestätigten diese Ergebnisse. Bei der Gaschromatographie zeigten die Höchstwerte für die Terpene für alle Proben eine Übereinstimmung, bei längeren Laufzeiten zeigte sich dann noch ein zusätzlicher Höchstwert, der laut Schwabl möglicherweise von einem Abbauprodukt herrührt und auf unterschiedlich lange Herstellungszeiten oder Lagerung der Proben hinweist. Auch die Fläche unter den Höchstwerten, die ein Indikator für die Stoffkonzentrationen sind, variierte von Probe zu Probe. Bei der Hochleistungschromatographie war es schwierig einheitliche Probenmuster zu erhalten, was ebenfalls auf die Verwendung unterschiedlicher Materialien zur Herstellung von Ratna Samphel hinweist. All diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Juwelpillen je nach Hersteller Unterschiede in den verwendeten Materialien, ihrer Qualität und der Produktionsweise aufweisen. Einige Juwelpillen unterschiedlicher Potenz1. Rin-chen Gang-sbyor (Rinchen Dangjor) in ocker-gelber bis oranger Seide Quecksilber in Juwelpillen(nach Rutherford. Lexikon der Elemente)
Das Kürzel Hg leitet sich von hydrargyrum (griech.-lat.): flüssiges Silber (engl.: mercury) ab. Quecksilber ist ein relativ seltenes, flüssiges, silbrig-glänzendes Schwermetall und neben Brom das einzige Element, das bei Raumtemperatur noch flüssig ist. In China ist Quecksilber und Zinnober (HgS, Quecksilbersilfid) seit 2500 v. Chr. bekannt. Innerlich schädigt Quecksilber das Gehirn und die Nieren, führt zu Stoffwechselstörungen und schädigt die Membranen und das Erbgut. In Japan bekamen zwischen 1953 und 1969 schätzungsweise 15 000 Menschen massive Gehirnschäden durch den Verzehr von Fischen, die durch organische Hg-Verbindungen vergiftet waren. Seitdem ist dieses Erkrankungsbild als Minamoto-Erkrankung bekannt. (Rutherford. Lexikon der Elemente, 2002) In der Traditionellen Chinesischen Medizin, dem Ayurveda und der Tibetischen Medizin stellt Quecksilber jedoch richtig zubereitet und verabreicht ein Therapeutikum dar. Der Yogi Orgyenpa Rinchenpal (1229-1309) soll das Wissen um die medizinische Präparation des Quecksilbers aus Nordindien nach Tibet mitgebracht haben. Unter dem III. Karmapa (1284-1339) soll dann die erste Hg-hältige Juwelpille hergestellt worden sein. Für mehr Information über diese sogenannten "Schwarzen Juwelpillen" und ihre Herstellung ist bei Gyatso (1991) nachzulesen. Neben Quecksilber werden aber noch andere teilweise bedenkliche Substanzen in Juwelpillen verarbeitet, wie Blei, Arsen, Cadmium, Kupfer, Thallium, Gold, Silber, Zink und andere (Edzard, 2002). Es wurden die Zinnober-Konzentrationen in verschiedenen Präparaten untersucht. So konnte man an der Universität Ulm Zinnober in Mengen von 10 bis 50 mg pro Pille nachweisen. Weiters untersuchte man mittels atomarer Absorptionsspektrometrie mehrere Proben von der Juwelpille Rin-chen Byu-dmar 25 und konnte je nach Hersteller große Unterschiede in den Hg-Konzentrationen feststellen. In ayurvedischen Produkten sollen gleiche Konzentrationsschwankungen in medizinischen Präparaten mit Quecksilber vorkommen. Weitere Informationen zu toxischen Schwermetallen und bedenklichen Substanzen in asiatischen Präparaten können in einer eigenen Fachstudie nachgelesen werden. Eine klinische StudieZumindest eine komplete Rezeptur ist bekannt und das Pharmazeutikum klinisch getestet. Hierbei handelt es sich um eine Juwelpille mittlerer Potenz, der sogenannten Rin-chen Byu-dmar 25-Pille, welche Aschoff (2001) in einer Studie zur Migräneprophylaxe einsetzte. Etwa 80% der Bevölkerung leidet einmal im Jahr an einer Kopfschmerzepisode. Damit ist er die häufigste Schmerzform überhaupt. Es gibt unterschiedliche Kopfschmerztypen, die nach ihren spezifischen Charakteristika klassifiziert werden. Die Migräne ist zu 60% ein einseitiger pulsierender Kopfschmerz, der mit Übelkeit, Erbrechen und erhöhter Licht- und Geräuschempfindlichkeit einhergeht. Die Ätiologie (Entstehungsgeschichte) und Pathogenese der Migräne ist unklar (Hackenthal, 1997). Fest steht, dass Migräne eine multifaktorielle organische Erkrankung und nicht psychosomatisch bedingt ist. Ein Migränepatient kann durch einen bestimmten Auslöser, wie Wetter, bestimmte Nahrungsmittel oder Stress eine Migräneattacke bekommen. Nach Hackenthal (1997) werden in der westlichen Medizin leichte Migräneanfälle mit Nichtopioidanalgetika wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol behandelt. Bei schweren Anfällen werden die Mutterkornalkaloide Ergotamin und Dihydroergotamin oder Sumatriptan eingesetzt. Die Traditionelle Tibetische Medizin kennt kein Wort für Migräne, sondern führt diesen Zustand auf ein Ungleichgewicht der drei Körperprinzipien zurück. Im Ayurveda verhält es sich ähnlich, nur dass man hier mehrere Kopfschmerztypen kennt und zwischen einer Migräneattacke am Morgen (sanskr. 'Suryavarta') und der einseitigen Migräne (sanskr. 'Ardavabhedak') unterscheidet. (Aschoff & Tashigang, 2001) Die Rin-chen Byu-dmar 25-Pille wird bei allen Erkrankungen des Nervensystems und nach persönlichen Erfahrungen von Herrn T.Y. Tashigang auch prophylaktisch bei Migränepatienten verabreicht. Die originale Rezeptur stammt von dem berühmten Tibetischen Physiologen und Pharmakologen Deumar Tendzin Phutsog und enthält Quecksilber und einige andere, nach westlichem Gesetz nicht zulässige Substanzen. Daher stellte Tashigang am Tashigang Herbal Center Delhi eine gleichwertige Juwelpille mit dem Namen Byu-dmar 13 her, die speziell zur prophylaktischen Behandlung von Migräne gedacht ist. Byu-dmar 13 enthält folgende Komponenten:
Ergebnisse der StudieDiese offenen Studie wurde an 50 Mirgänepatienten, die an mindestens zwei Migräne-Attacken pro Monat litten, durchgeführt. Als Eingangskriterium bestand, dass die Probanden durch Betablocker und andere Prophylaktika keine Erleichterung erfuhren hatten und kein Analgetika-Mißbrauch gegeben war. Keiner der Patienten benutzte Ergotamin. Zur konventionellen Migräne-Behandlung verwendeten sie entweder ASS/Paracetamol oder Sumatriptan rsp. oder andere Triptane. Diese Medikamentation wurde während der prophylaktischen Behandlung mit Byu-dmar 13 fortgesetzt. Die Studie lief über drei Monate, während denen die Patienten eine bestimmte Diät einzuhalten hatten. Einige Patienten nahmen das Präparat ein Jahr und länger, jeweils morgens ein. In der Folge wurden die Patienten nach drei, nach sechs Monaten und anschließend nach größeren Intervallen untersucht. Bei 84% der Patienten zeigte sich eine deutlich spürbare Abnahme in Dauer und Intensität, nicht aber in der Häufigkeit der Migräne-Attacken. Diese Erleichterung stellte sich zwei bis vier Wochen nach Beginn der morgendlichen Einnahme ein. Die Verwendung von Analgetika und Triptanen konnte reduziert werden. Nebenwirkungen durch Byu-dmar 13, beziehungsweise Wechselwirkungen mit den konventionellen Pharmazeutika konnten nicht entdeckt werden, sieht man einmal davon ab, dass sich ein Patient an der harten Pille einen Zahn ausgebissen hat.... Die Juwelpillen und das PharmaziegesetzEs gibt eine Reihe an Gründen, warum Juwelpillen nach dem westlichen Pharmaziegesetz nicht zugelassen werden können. So gibt es zur Zeit noch keine Standardisierung der Präparate. Auch scheint es problematisch, dass in Juwelpillen und anderen Vielstoffpräparaten so viele Komponenten enthalten sind, wodurch toxikologische, pharmazeutische und klinische Studien langwierig und zu teuer wären. Vor allem der Umgang mit toxischen und bedenklichen Substanzen in der traditionellen asiatischen Medizin bietet vielfältige Rechtsstreitigkeiten. So sind in Byu-dmar-13-Pillen Eisenhutwurzeln enthalten. Diese enthalten Alkaloide mit toxischen, diuretischen, anti-inflammatorischen, analgetischen und katalytischen Eigenschaften. Eisenhut ist im Ayurveda als Visha bekannt, was so viel wie Gift bedeutet und wird erst nach einer einwöchigen Detoxifikation in Rinderurin verwendet. In der Traditionellen Tibetischen Medizin wird der Eisenhut in einer adaptierten Weise entgiftet. Der Tibetische Pharmakologe unterscheidet verschiedene Eisenhutarten, wie weißer, gelber, roter und schwarzer Eisenhut. Als giftig gilt der Schwarze, der wiederum in weiße, gelbe und schwarze Varietäten unterteilt wird. Der äquivalente botanische Terminus ist meist nicht bekannt. So gibt es im nepalesischen Himalayagebiet laut Dr. Bhattarai, Botaniker an der Universität Kathmandu (Nepal), 40 verschiedene Eisenhutspezies. Die Pflanzen werden jedoch von Wanderern gepflückt und kommen als Wurzeldroge auf den Markt, wo sie dann von den Pharmakologen gekauft werden (Aschoff & Tashigang, 2001). Verwechslungen sind in so einem Fall wahrscheinlich. Den Tibetischen Arzt scheint das nicht zu stören, nach westlicher Sicht ist dieses Vorgehen jedoch nicht verantwortbar. Die einzige Möglichkeit geringe Mengen Juwelpillen in Europa zu bekommen, ist daher der Import. So reglementiert das Pharmaziegesetz die Einfuhr von Präparaten, die in ihrem Herkunftsland als legale Produkte am Markt zugelassen sind. Aussichten in der ZukunftAuch wenn es schwer erscheint Juwelpillen nach westlichen Kriterien zu untersuchen und zu bewerten, hält der Autor es trotzdem für erstrebenswert, dieses interessante Gebiet weiter auszuleuchten. Mutige Wissenschafter sollten sich mit Herrn Univ. Prof. Dr. Jürgen C. Aschoff von der Universität Ulm oder mit der Padma AG in Verbindung setzen. LiteraturAschoff, J., T.Y. Tashigang. Tibetan precious pills. A tantric healing system. Fabri Verlag Ulm 2001. Ernst, E. (2002): Toxic heavy metals and undeclared drugs in asian herbal medicines. Trends in pharmacological sciences 23: 136-139 Gyatso, Y. (1991): The secrets of the black pill formulation. Tibetan medicine, a publication for the study of tibetan medicine. Dharamsala. Series No. 13, pp. 38-55. Hackenthal, E. (1997): Pharmakotherapie der Migräne und anderer Kopfschmerzen. In: Oberdisse, E., E. Hackenthal, K. Kuschinsky. Pharmakologie und Toxikologie. Springer Verlag 1997. Rutherford. Lexikon der Elemente (2002): www.uniterra.de/rutherford/ele080.htm Padma 28 - Ein Tibetisches Vielstoffpräparat aus der SchweizDas tibetische Vielstoffpräparat Padma 28 ist eines der best untersuchten Präparate der Tibetischen Medizin und ist das Leitprodukt der Schweizer Padma AG. Es enthält 19 verschiedene Pflanzen und Pflanzenteile sowie Calciumsulfat und Kampfer. Es wirkt entzündungshemmend, hilft bei Arterioskleroseerkrankungen und hat anti- und prooxidative Eigenschaften. Padma 28 ist in der Schweiz und in Dänemark als Mittel bei peripheren Gefäßerkrankungen zugelassen. Im restlichen Europa kann man Padma 28 ausschließlich als Nahrungsergänzung in der Apotheke kaufen. In den USA bekommt man Padma 28 als Padma basic. Inhaltsstoffe von Padma 28Costi amari rad., Lichen islandicus, Meliae tousend fruct., Cardamoni fruct., Myrobalani fruct., Santali rubri lign., Amomi fruct., Aegle sepiar fruct., Calcii sulphas pulv., Aquilegiae vulgaris herba, Liquiritiae rad., Plantaginis herba., Polygoni avicul. herba, Potentillae aurae herba, Caryophylli flos, Hedychii rhiz., Sidae cordifoliae herba, Valerianae rad., Lactucae sativae fol., Calendulae flos, Dextrocamphora. Padma 28 wirkt entzündungshemmendMoeslinger und Kollegen (2000) konnten zeigen, dass Padma 28 anti-inflammatorisch aktiv ist. So wird die Synthese der induzierbaren Stickoxid-Synthase (iNOS) bei einer Makrophagen-Zellinie (RAW 264.7) durch Padma 28 konzentrationsabhängig gehemmt. Eine Inflammation ist eine Entzündungsreaktion und wird durch Makrophagen (Fresszellen) als Antwort auf ein Pathogen oder eine Gewebeschädigung ausgelöst. Sie dient dazu zusätzliche Effektormoleküle und Zellen an den Infektionsort zu bringen, damit die eingedrungenen Mikroorganismen durch Makrophagen beseitigt werden können, dient als physikalische Barriere, damit sich die Infektion nicht weiter ausbreiten kann und dient der Reparatur des verletzten Gewebes. Die Entzündungsreaktion ist begleite von Schmerz (dalor), Röte (rubor), Hitze (calor) und einem Anschwellen (tumor) des Gewebes. Eine übermäßige Entzündungsreaktion ist jedoch unerwünscht. NO wird in großen Mengen während einer Entzündungsreaktion hergestellt. NO wird aus L-Arginin und Sauerstoff durch die NO-Synthase (NOS) hergestellt und wirkt vasodilatorisch, indem es glatte Muskelzellen relaxiert. Bisher wurden drei Isoformen von NOS beschrieben und geklont: endothelial NOS (cNOS oder Typ 3-NOS), brain NOS (bNOS, nNOS oder Typ 1-NOS) und die inducible macrophage type NOS (iNOS oder Typ 2-NOS). Während Typ 1- und Typ 3-NOS konstitutiv geringe Mengen an NO produzieren, ist iNOS für die Produktion großer Mengen an NO verantwortlich. NOS-2 wird normalerweise expremiert, wenn eine Zelle proinflammatorischen Cytokinen oder mikrobiellen Produkten wie Endotoxinen, Peptidoglykanen, Lipoteichoidsäure ausgesetzt wird (Janeway et al., 2001). Eine übermäßige Produktion an NO ist gefährlich und endet in einer Hyperkoagulopathie, veränderter Perfusion, unkontrollierter Infektion, Gewebeschädigung und einem hypotensiven Schock. Es sind vor allem Inhibitoren der iNOS, die eine Selbstamplifikation der Entzündungsreaktion und somit eine toxische Gewebeschädigung verhindern können (Holzheimer et al. 2001) Moeslinger et al. untersuchten nun die Effekte von wässrigen Extrakten von Padma 28 auf die NO-Produktion durch die iNOS bei Lipopolysaccharid-induzierten Makrophagen. Wie der Western-blot zeigen konnte, wies die iNOS-Protein-Expression eine Padma 28-Konzentration abhängige Reduktion auf. Bei der Untersuchung des iNOS mRNA-Levels mittels RT-PCR verhält es sich ebenso. Auch die Anwendung von Padma 28 und seinen Inhaltsstoffen bei inflammatorischen Erkrankungen wie Hepatitis B oder der juvenilen chronischen Arthritis wurden bereits beschrieben. So induziert Padma 28 in hohen Konzentrationen die Sauerstoff-Produktion bei nicht stimulierten neutrophilen Zellen, in niedrigeren Konzentrationen vermindert es jedoch die O2-Produktion bei Phorbolmyristatacetat (PMA)-stimulierten Neutrophilen. Weiters hemmt Padma 28 die Lysozym-Sekretion bei PMA und opsonierten Zymosan-stimulierten Zellen in einer konzentrationsabh&aumkl;ngigen Weise. Anti- und prooxidative Eigenschaften von Padma 28Suter und Richter (2000) von der ETH Zürich wiesen in Padma 28 reduzierende und Metallionen-chelatierende Substanzen nach. Dadurch wirkt Padma 28 in Konzentrations- und Reaktionsabhängigen Weise antioxidant oder prooxidant. Padma 28 hilft bei ArterioskleroseerkrankungenIn den westlichen Industrienationen fordert Arteriosklerose mehr Todesopfer als Krebs, vor allem durch Folgeerscheinungen wie Herzinfarkt oder Gehirnschlag. Das Bild der Arteriosklerose und ihrer Entstehung hat sich in den letzten 20 Jahren der Forschung stark gewandelt. Früher ging man noch davon aus, dass Blutgefäße starre Rohre sind und Arteriosklerose, wie die „Verkalkung“ einer Wasserleitung vor sich geht, indem Plaques aus mit Fett beladenen Material sich an die Innenwände anheften und so den Blutfluss verhindern. Heute sieht man die Arteriosklerose und ihre Entstehung etwas differenzierter. So entstehen die Plaques nicht an, sondern in den Gefäßwänden. Einer Arteriosklerose geht immer eine Entzündungsreaktion voraus. Dafür verantwortlich sind low density lipoproteins (LDL-Blutfette), die normalerweise Cholesterin und andere Fette vom Ort ihrer Gewinnung wie Darm oder Leber zu anderen Geweben und Organentransportieren. Solche lipid-angereicherten Makrophagen nennt man Schaumzellen. Zusammen mit den T-Zellen bilden sie die sogenannten Lipidstreifen, die Frühform der arteriosklerotischen Plaques. Entzündungsmediatoren veranlassen nun glatte Muskelzellen der Mittelschicht unter die Endothelien einzuwandern und durch extensive Sekretion einer extrazellulären Matrix, eine sogenannte Kappe zu bilden. Schaumzellen, der sich ständig vergrößernden Plaques, schwächen schließlich diese Schutzkappe, indem sie Matrix abbauende Enzyme sezernieren und den Nachschub an glatten Muskelzellen aus der Media behindern. Weiters sezernieren die Schaumzellen Gewebefaktor, einen potenten Auslöser der Gerinnungskaskade. Ein Blutgerinnsel entsteht, dass wenn es zu groß wird, den Blutstrom unterbindet. (Libby, 2002) Nach einer Behandlungszeit von 16 Wochen mit Padma 28 konnte wurde eine signifikante Verlängerung der Gehzeit am Laufband registriert werden. Weiters konnte eine Abnahme in der Aggregation von Blutplättchen, im Cholesterol-Level, den Triglyceriden, den Lipiden und beta-Lipoproteinen und eine Zunahme an ++alpha-Lipoproteinen beobachtet werden. Den Heilerfolg dokumentierten sie durch die Messung des systemischen und peripheren systolischen Blutdrucks und durch die maximale schmerzfreie Gehdistanz, welche die Patienten am Laufband zurücklegen konnten. Während die Blutdruckmessungen keine signifikanten Unterschiede zeigten, konnten die Padma 28-behandelten Patienten binnen vier Monate ihre schmerzfreie Gehdistanz von 115 m auf 227 m steigern. Die Kontrollgruppe hingegen zeigte keine signifikante Erhöhung der schmerzfreien Gehdistanz. ReferenzDrabaek, H., J. Mehlsen, JR Petersen, H. Himmelstrup, KF Hansen (1994): Padma-28, a herbal preparation, increases walking distance in patients with intermittent claudication. Ugeskr Laeger 156: 6207-9 Gieldanowski, J., T. Dutkiewics, L. Samochowiec, J. Wojcicki (1992): Padma 28 modifies immunological functions in experimental atheriosclerosis in rabbits. Arch Immunol Ther Exp 40: 291-5. Holzheimer, R.G., J.A. Mannick. Surgical treatment - Evidence based and problem-orientated. Zuckschwerdt publishers Munich 2001. Janeway, C.A., P. Travers, M. Walport, M. Shlomchik. Immunobiology. 5th ed. Garland Publishing New York and London 2001. Libby, P. Arteriosklerose als Entzündung. In: Spektrum der Wissenschaften. Juli 07/2002 Matzner, Y. & S. Sallon (1995): The effect of Padma-28, a traditional tibetan herbal preparation, on human neutrphil function. J Clin Lab Immunol 46: 13-23. Moeslinger, T., R. Friedl, I. Volf, M. Brunner, E. Koller, P.G. Spieckermann (2000): Inhibition of inducible nitric oxide synthesis by the herbal preparation Padma 28 in macrophage cell line. Can J Physiol Pharmacol 78: 861-866. Suter, M. & C. Richter (2000): Anti- and pro-oxidative properties of Padma 28, a tibetan herbal formulation. Redox Rep 5: 17-22. Padma Lax, ein pflanzliches Laxativum zur Behandlung des ReizdarmsyndromsPadma Lax ist ein planzliches Laxativum (Stuhl-regulierendes Abführmittel), das bei der Behandlung des obstipationsdominaten Reizdarmsyndroms angewendet wird. Es basiert auf einer Rezeptur gemäss der Traditionellen Tibetischen Medizin und wird von der Schweizer Padma AG hergestellt. Padma Lax in einer Studie zum obstipationsdominanten ReizdarmsyndromIn einer Doppel-Blind-Studie erwies sich Padma Lax als sichere Alternative zu gängigen Viel-Substanzen-Therapien. In dieser Studie, die an der Hadassah Klinik für Gastroenterologie durchgeführt wurde, bekamen 34 Patienten Padma Lax, 27 ein Plazebo. Nach 3 Monaten Therapie hatte die Padma Lax-Gruppe im Vergleich zur Plazebo-Gruppe eine signifikante Verbesserung in der Obstipation, der Schwere der Unterleibsschmerzen, Darmentleerung, Bauchblähung und Flatulenz. Nach umfassender Bewertung der Patienten wurde die Padma Lax-Behandlung von einem signifikanten Anteil der Patienten vorangegangenen Therapien als &Uml;berlegen eingestuft. Laborparameter wiesen keine signifikante klinische Änderungenauf. Hemmende Wirkung von Padma Lax auf KrebszellenWeiters konnte in einer rezenten Arbeit von Hofbauer et al. (2006) gezeigt werden, dass Padma Lax die Zellvermehrung (Proliferation) von C6 Glioma-Zellen, einem etabliertem Zellsystem für Zellproliferation, konzentrations- und zeitabhängig hemmen kann. In-vitro-Untersuchungen zeigten, dass vor allem die Komponenten Ingwer (Zingiberis rhizoma, Zingiber officinale Rosc.) und Alant (Helenii rhizoma, Inula helenium L.) für die antiproliferative Wirkung von Padma Lax verantwortlich sind. In hohen Dosen hemmt Padma Lax den Zellzyklus der Glioma-Zellen in der so genannten G1-Phase, die Reduktion der Zellzahl ist vor allem auf einen Apoptose-ähnlichen Zelltod zurück zu führen. Der Caspase3/7-Signalweg war hingegen bei der Padma Lax-induzierten Apoptose nicht involviert. Vor allem Patienten mit chronischer Obstipation könnten von der antiproliferativen Wirkung von Padma Lax profitieren, da chronische Verstopfung möglicherweise die Karzinogenese (Entstehung von Malignomen) fördert und Padma Lax durch seine stuhlregulierenden und antiproliferatriven Eigenschaften dem entgegen wirken könnte. ReferenzHofbauer et al. (2006): Antiproliferative properties of Padma Lax and its components ginger and elecampane. Forschende Komplementärmedizin 13 (suppl 1): 18-22. Sallon et al. (2002): A novel treatment for constipation-predominant irritable bowel syndrome using Padma Lax, a Tibetan herbal formula. Digestion 65(3): 161-171. Artemisia vestita zur Behandlung einer SepsisSun und Kollgen von der School of Life Sciences, der Universität Nanjing, China, untersuchten Artemisia vestita, einer in der Traditionallen Tibetischen Medizin verwendeten Pflanzendroge, auf mögliche entzuündungshemmende Wirkungen. Artemisia vestita ist eine mehrjährige krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae). Als Entzündungsmodell diente den Wissenschaftern eine Lipopolysaccharid (LPA)-induzierte Sepsis in Mäusen. Unter einer Sepsis versteht man eine Blutvergiftung auf Grund des Eindringens pathogener Bakterien, wobei das toxische Bakterium-spezifische LPA ausgeschüttet wird. Bei einer Sepsis kommt es zu keiner normalen Immunantwort und zu einer fatalen Entzündungsreaktion, die zu lebensbedrohlichen Beeinträchtigungen der Organe (Knochenmark, Blut, Herz, Gefäßnerven) führen kann. Wurden die Mäuse nun mit dem Pflanzenextrakt vorbehandelt, wurde nach LPS-Vergiftung weniger „tumor necrosis-alpha“ (TNF-alpha ist ein zentraler Mediator der systemischen Entzündungs- und Immunreaktion mit vielfätiger Wirkung auf köpereigene Zellen) im Blutserum, der Leber und der Lunge nachgewiesen. Darüberhinaus war die Überlebensrate der Artemisia-vorbehandelten Tiere erhöht. In LPS-stimulierten Fresszellen (Makrophagen) wurden durch die Behandlung mit dem Artemisia-Extrakt eine Reihe an Enzymen gehemmt, die an der Synthese von TNF-alpha beteiligt sind. ConclusioIn dieser Arbeit wird gezeigt, dass ethanolische Extrakte von Artemisia die Auswirkungen einer Pathogen-induzierte Blutvergiftung durch Hemmung der TNF-alpha-Produktion der Makrophagen verringert werden kann und somit ein wirkungsvolles anti-spetisches Mittel der TTM ist. ReferenzSun et al. (2006): Ethanol extract from Artemisia vestita, a traditional Tibetan medicine, exerts anti-sepsis action through down-regulating the MAPK and NF-kappaB pathways. Int J Mol Med. 2006 May;17(5):957-62.Zurück zu "Tibet - TTM" |
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